Archiv > Schuljahr 2018/19 > Abschied Schulleiterin Heike Ahrens

Heike Ahrens: Viel bewegt und erreicht

Autorin: Ulrike Schumacher, Fotograf: Christian Kosak – 17.07.2019
(Quelle: WESER-KURIER / DIE NORDDEUTSCHE 2019)

Sie war mit Leib und Seele Lehrerin. 23 Jahre ihres Berufslebens hat Heike Ahrens an der Grundschule Alt-Aumund verbracht. Ende Juli geht die Leiterin in den Ruhestand.

Am Ende hat die Schulleiterin einen Rap aufs Parkett gelegt, dass alle nur so staunten. Heike Ahrens hat viel Energie. Und sie hat viel Energie in die Schule gesteckt, die sie nun verlassen wird. Bis Ende Juli ist die Vegesackerin noch im Dienst. Dann kommt für die Leiterin der Grundschule Alt-Aumund der Ruhestand. Das klingt nach Nichtstun und Füße hochlegen, aber zu Heike Ahrens passt dieses Bild nicht. Wenn sie erzählend zurückblickt auf die 23 Jahre an dieser Schule, könnte daraus ein Buch entstehen. Titel: Mit Leib und Seele Lehrerin.

„Ich bin zufrieden so, und dann kann ich auch gehen“, zieht die Pädagogin Bilanz. Trotzdem musste sie schlucken, als dieser Tage einer ihrer Schüler zu ihr kam, sie am Ärmel zupfte und sagte: „Frau Ahrens, du sollst nicht gehen.“ Wollte sie auch nicht. Sie hätte schon früher die Ruhe nach dem Berufsleben haben können. Dreimal hat Heike Ahrens ihren Dienst an der Alt-Aumunder Schule verlängert. Jetzt, zu ihrem 69. Geburtstag, ist wirklich Schluss. Ein bisschen bleibt sie der Schule trotzdem noch erhalten.

Wegen der Dreizügigkeit sei es eng geworden an der Ganztagsschule, berichtet Heike Ahrens. „Es ist ein Anbau geplant. Mit Mensa und Küche, in der auch gekocht werden kann und mit vier Klassenräumen.“ Im übernächsten Schuljahr werden die Bauarbeiten beginnen, 2022 soll der Anbau fertig sein. Die Planung dafür lag noch mit in ihren Händen. Deshalb wird Heike Ahrens den Bau noch begleiten. „Das habe ich angefangen, und das mache ich fertig.“

Angeschoben hat die Schulleiterin so manches an ihrer Schule. Erste Aktion war die Verwandlung der „Asphaltwüste Schulhof“ in einen Ort, an dem Kinder gern klettern und spielen mögen. Das fiel noch in ihre Zeit als Konrektorin. Vor zwanzig Jahren – da war sie schon seit drei Jahren Lehrerin an der Schule – hatte sie sich auf die Stelle der stellvertretenden Schulleiterin beworben. „Ich hatte mich für Leitungsaufgaben interessiert“, erzählt sie. „Ich fand es reizvoll, dass man etwas gestalten kann.“

Heike Ahrens ging noch eine Stufe höher und wurde vor elf Jahren Schulleiterin. Nach Bremen-Nord war sie vor 46 Jahren gekommen. Vier Jahre zuvor hatte sie in Göttingen ihr Abitur gemacht und dort fürs Lehramt studiert. Ihre erste Stelle hatte sie an der Schule am Pürschweg in Lüssum-Bockhorn. „Damals gab es noch die sechsjährige Grundschule und die auslaufende Hauptschule." Die junge Lehrerin war kaum viel älter als die Hauptschüler, die sie unterrichten musste. Nach ihrer Elternpause – Heike Ahrens ist Mutter von drei Kindern – kam sie schließlich an die Schule Alt-Aumund.

Hier zeigte sie auch ihr Talent, für Projekte Geld an Land zu ziehen. „Das ist etwas, das Schulleiter können müssen. Sonst bekommt man nichts überher.“ Und etwas überher – das wünschte Heike Ahrens der Grundschule Alt-Aumund vom Labor für Kinder bis zur wunderschönen Bühne mit guter Licht- und Tonanlage an verschiedenen Stellen. Dafür hatte sie nicht nur die nötige Portion Geduld, sondern auch das Wissen, wo es Zuschüsse gibt und wie man die Menschen zum Spenden bewegt. „Es müssten rund 250 000 Euro sein“, überschlägt Heike Ahrens, „die ich für diese Schule gesammelt habe“.

Ihre Anfangszeit in Alt-Aumund fing schon turbulent an. „Bei der Turnhalle drohte das Dach einzustürzen. Sie musste saniert und das Sportangebot ausgelagert werden.“ Es sollte nicht die einzige organisatorische Herausforderung sein. „Schadstoffsanierung“ lautete die nächste. Die dritten und vierten Klassen wurden für vier Monate gastfreundlich an der Schule an der Lerchenstraße aufgenommen. Im Zuge der Sanierung hätte die Grundschule „schöne Räume bekommen und auch Tische, Stühle, Schränke und Tafeln wurden ersetzt“.

Neben den äußeren gab es innere Veränderungen während ihrer Leitungszeit. Seit 2012 ist die Schule offene Ganztagsschule. „Es war ein Wunsch der Eltern.“ Zunächst nutzten 120 Kinder das Angebot, dann stieg die Zahl auf 85 Prozent der Schülerinnen und Schüler. 270 Mädchen und Jungen besuchen die dreizügige Grundschule Alt-Aumund. Seit zwei Jahren, berichtet die Schulleiterin, ist sie gebundene Ganztagsschule. Heike Ahrens nennt Vorteile: „Man kann das Lernen und die Rhythmisierung des Lernens besser planen.“

Zumal es durch die Inklusion und durch die Zuwanderung auch veränderte Anforderungen gebe. „In den Klassen sitzen 20 Prozent Sprachanfänger, was sich auf den Unterricht auswirkt.“ Die Kolleginnen und Kollegen müssten auf unterschiedlichem Niveaus arbeiten und auch Angebote haben für die schnell Lernenden. „Die dürfen die Lust nicht verlieren.“ Ebenso wichtig sei die Sprachförderung. „Das Schöne ist, dass wir hier so multiprofessionale Teams haben, die die Kinder aus verschiedenen Blickwinkeln sehen.“ An der Schule sind auch Sonderpädagogen, Erzieher und Schulsozialarbeiter beschäftigt. Nachdenklich stimmt Heike Ahrens, dass „Armut der Kinder an der Schule ein Thema ist“.

Es habe ihr immer am Herzen gelegen, „Stärken der Kinder zu entdecken und sie zu fördern“. Auch deshalb leitete die Pädagogin die „Jugend-forscht“-Gruppen an der Schule, die bei den Wettbewerben „sehr erfolgreich“ sind. Um bei den Kindern den Blick für das Lebensumfeld zu weiten, hat die Schule darüber hinaus Extras im Angebot, „die besonders Spaß machen“. So gibt es eine enge Kooperation mit dem Overbeck-Museum, das die Klassen regelmäßig besuchen, und auch mit der Musikschule Bremen. Mit Förderung der Bildungsbehörde unterrichten Lehrkräfte der Musikschule Grundschüler am Instrument, was inzwischen ein Viertel der Schüler nutzt.

Das freut Heike Ahrens. Die kulturellen Projekte liegen ihr am Herzen. Das Schulorchester und der Schulchor oder die Theater-AG, die an den Schulfesten mitwirkten, die „immer was Besonderes waren“. Auch jetzt, bei der Abschiedsfeier, die das „tolle Team, mit dem ich zusammenarbeiten durfte“, auf die Beine gestellt hat. Ihr zu Ehren.